Samstag, 6. August 2016

Rechts ist links und passt

Nachdem ich also den vermeindlich rechten Konus ausgemessen und mit den Maßen bei Rose fündig geworden bin, bestellte ich einen linken Konus von Shimano, der passen sollte. Dieser hatte eine Staubschutzkappe, die sich hoffentlich entfernen ließ. Nachdem die teuerste Mutter meiner Geschichte mit DHL noch eine Extrarunde drehte, ist sie heute abgekommen. Mit den Seitenschneider wurde die verpresste Staubschutzkappe herunter gemurkst und das gute Stück schnell verbaut. Nach zwei Versuchen passte auch das Lagerspiel und das Hinterrad läuft leicht und leise.


Was für eine schwere Geburt...

Sonntag, 31. Juli 2016

Nadel im Heuhaufen

Nachdem ich im Urlaub in Noord Holland war und in der Zeit davor nicht wirklich Sinn zum Schreiben hatte, melde ich mich hiermit wieder einmal zurück.

Nachdem ich am letzten Dienstag wieder einmal bei dem äußerst nett besetzten Liegeradstammtisch im Vocatio in Gievenbeck war, hatte ich auf dem Rückweg das Pech die Unaufmerksamkeit und habe mit dem Vorderrad am Bahnübergang in Sudmühle einen Stein aus dem Gleisbett voll erwischt. Sofortiger Plattfuß, Flickzeug dabei aber aufgrund des sehr schnellen Entweichens der Luft schon mit schlimmem gerechnet. Also habe ich das Baron abwechselnd geschultert und gezogen, um die Felge nicht weiter zu beschädigen. Ein paar Kampfspuren hat sie ja leider schon.

Am folgenden Tag habe ich mich also in den Keller gewagt an die Arbeit gemacht, um zu retten, was da noch zu retten ist. Der noch recht neue Conti Grand Prix 28-406 hatte einen Flankenschaden, den ich noch versucht habe mit Gewebeklebeband von innen zu stabilisieren. Der Schlauch hatte einen Snakebite mit >5mm Löchern. Ich habe es versucht, aber beides war nicht zu retten, da der Druck nicht gehalten wurde. Online habe ich dann unter beschwerten Bedingungen Ersatz bestellt, denn der GP 28-406 ist derzeit nirgends lieferbar. Daher habe ich mich für den Conti Sport Contact 2 entschieden und montiert. Ebenso haben die Magura Julie neue Bremsbeläge von Kool Stop bekommen. 

Das alles wäre nicht weiter berichtenswert, wenn ich nicht noch versucht habe, eine weitere Baustelle abzuschließen, und damit beginnt der Ärger für mich.

Ich habe mein Optima Baron gebraucht über Marktplaats.nl in Heiloo Nähe Alkmaar gekauft. Der Preis war so angenehm, dass ich nicht weiter verhandelt hatte und mir eine kurze Probefahrt gereicht hatte. Technisch habe ich mir da keine Sorgen gemacht, weil ich in Sachen Fahrradtechnik so einiges beherrsche und mir auch schnell Dinge aneignen kann.

Vor einigen Monaten habe ich aufgrund eines etwas schweren Laufes beide Naben auseinander genommen, die alte Schmierung entfernt und Schäden festgestellt. Vorne hat eine Lagerschale deutliche Laufspuren, hinten ist der linke Konus rechts arg verschlissen.





Ich konnte das Lager auch mit dem Konus zum Laufen bringen, allerdings nur mit dementsprechend viel Lagerspiel. Das Hinterrad wackelte eben deutlich, was besonders bei rauhen Untergründen akustisch sehr nervig war. Außerdem nimmt das Lager durch das Spiel nur noch mehr Schaden. Ich habe das Thema recht lange vor mir her geschoben, weil ich den Verdacht hatte, dass die Nabe recht exotischen Ursprungs sein könnte. Da ist nun aber eh dran war, habe ich aber mit der Recherche begonnen. Der Hersteller der Laufräder sitzt in Sachsen und hatte Quando Naben, die angeblich baugleich mit der Shimano RM40 Nabe sei. Über Rainer habe ich dann den rechten Konus für die RM40 bekommen. Blauäugig wie ich nun einmal bin, hatte ich nicht die Dimensionen des Konus' abgemessen, denn es war nur Kleingeld.

Als ich den Konus aber eingesetzt hatte und den Schnellspanner geschlossen hatte, drehte sich das Hinterrad nicht mehr. Ursache: Der neue Konus war M10 x 13 statt M10 x 16 beim verschlissenen Konus. Also nochmal Internetrecherche von Anfang an.

Als Problem erschien dann, dass von Quando für die Naben kaum Ersatzteile zu bekommen sind, weil sie aus Taiwan kommen und in der Regel eher preisgünstig sind. Ich habe hier auch noch eine fast neue Nabe mit 24 Löchern liegen, aber überhaupt keinen Antrieb, diese in die bestehende Felge einzuspeichen. 

Jedenfalls sind in M10 x 16 nur linke Konen mit Staubkappe zu bekommen. Ich wage es nun erstmal und habe mir einen solchen bestellt in der Hoffnung, dass sich die Staubkappe recht leicht entfernen lässt und die Gewindesteigungen zueinander passen. Wenn das nicht funktioniert, muss ich mich mit dem Gedanken anfreunden, doch die andere Nabe ein zu bauen. 

Je hochwertiger die Fahrräder sind, je mehr man sich mit Technik und Qualität von Fahrradteilen auseinandersetzt, desto zahlreicher scheinen die Fehlerquellen und Verschleißerscheinungen zu werden. Nicht-Radfahrer kaufen sich ein billiges Fahrrad und fahren es, bist sie keine Lust mehr drauf haben oder es ihnen geklaut werden. Von denen kommt keiner auf die Idee, eine Nabe zur Wartung zu zerlegen...

Mittwoch, 8. Juni 2016

Real-Satire

In meiner Nähe hat eine Fahrschule eine Garage, in der Motorräder und Leichtkrafträder für die Fahrerausbildung abgestellt werden. Darüber hinaus stell die Garage auch einen Treffpunkt zum Abholen von Fahrschüler dar.

Mir ist in der Vergangenheit aufgefallen, dass immer wieder Motorräder dort mit laufendem Motor abgestellt werden, PKW laufen und sich dabei unterhalten wird oder ein Fahrlehrer im Fahrzeug sitzt, sich mit Passanten unterhält und der Motor auch läuft.

Eigentlich kann mir das egal sein, auch wenn es verboten ist. Schwierig allerdings finde ich, dass Fahrlehrer von ihren Schülern als Vorbild angesehen werden. Also muss es wohl angemessen sein, wenn man Motoren unnötig laufen lässt, wenn der Fahrlehrer das auch macht. Ich sehe das aber mitnichten als angemessen an und habe daher den Betrieb freundlich angeschrieben.

Sehr geehrte Damen und Herren,


ich wende mich in einer Herzensangelegenheit an Sie.
In Zeiten des Umweltschutzes und knapper -wenn auch derzeit vergleichsweise günstiger- Rohstoffe sollte in der Fahrausbildung der Fahrlehrer ein Vorbild sein. Ich habe daher wenig Verständnis dafür, wenn an Ihrer Garage [...] in Handorf regelmäßig Motorräder und PKW mit laufendem stehen, wo doch Abgase so gesund sind...

Erstens ist es gemäß StVO §30 (1) schlichtweg verboten, zweitens und schwerwiegender ist aber, dass der Fahrlehrer ein Vorbild und ein Multiplikator ist. Der Gedankengang lautet dann wohl in etwa "Wenn mein Fahrlehrer das macht, wird das okay sein."

Vielleicht überdenken Sie Ihr Verhalten aufgrund meiner Zeilen. Ich finde es extrem schwierig, wenn z.B. am Bahnübergang ganzjährig jeder den Motor laufen lässt, weil es ja jeder macht. Die Lärm- und Abgasemissionen sind doch ganz leicht zu vermeiden.

...und ich habe echt keine Lust darauf, von Fahrern eines MB Atego dumm angemacht zu werden, weil ich ihn in meiner Rolle als Radfahrer freundlich bitte, den lauten Diesel doch abzustellen.


Mit freundlichen Grüßen
Oliver Heining
Schnell bekam ich auch eine Antwort, in der eine Zeile mich inhaltlich neben der scheinbar willkürlichen Kommasetzung zutiefst beeindruckt.

2. Kraftfahrzeuge von mir, lassen den Motor nicht ohne Grund laufen. 

Absolutistischer hätte es vermutlich nur Ludwig XIV ausgedrückt.

Der Rest der E-Mail enthält Erklärungen, dass es materialschonender sei, die Motoren warmlaufen zu lassen und das generell verbrauchsgünstige Fahrzeuge eingesetzt würden. Nun, ich kenne Studien, die genau das Gegenteil behaupten, aber ich bin ja auch nur Laie. Was ich aber kenne und verstehe ist, dass es schlicht und einfach verboten ist. Das sollte selbst ein

Fahrschulinhaber und PersFachWirt

mit willkürlicher Kommasetzung verstehen und umsetzen können.

Wenn ich mal gaaaanz viel Zeit habe, werde ich die Kritikfähigkeit von Fahrschulen in Münster etwas auf die Probe stellen. Aber wirklich nur wenn ich gaaaaaaaaanz viel Zeit habe.

Montag, 9. Mai 2016

Vier Idioten

Es gibt so Tage, da bekommt man als aufmerksamer Verkehrsteilnehmer das völlige Würgen. Aufmerksamkeit setze ich hier einmal mit Überblick und Vorausschau gleich.

Wie jeden Morgen mache ich mich mit den Kindern auf den Weg nach Gelmer zur Schule und fahre dabei über Sudmühle. Auf der Dorbaumstraße schob ein Taxibus des lokalen Unternehmens mit den AA auf der Seite sein Heck aus der Wersedaipe in den Radweg hinein, um sich in die Dorbaumstraße vor zu tasten. Das er damit den Radweg für Schulkinder völlig blockierte...scheißegal. Meiner Meinung nach steht das AA häufig für Asoziales Arschloch, zumindest was die Fahrweise der Piloten angeht. Das der Fahrer verpflichtet ist, sich notfalls einweisen zu lassen, wenn es alleine nicht klappt, wird er vermutlich kurz nach der Fahrschule wieder vergessen haben.

Weiter gings dann auf der Sudmühlenstraße. Auf Höhe der Hausnummer 176 stand ein 40-Tonner halb auf dem Geh-Radweg, halb auf der Straße. Prima gemacht! Ja, der arme Fahrer muss seine Fracht ja nun mal anliefern und ja, da gibt es keine Parkplätze, stimmt soweit alles. Aber warum muss der Horst denn (Geh-) Radweg und Fahrbahn blockieren und das auch noch zur Hauptverkehrszeit morgens? Scheißidee! Außerdem hat er auf dem Radweg nichts zu suchen, ohne Ausnahme. Die Fahrbahn hat er eh blockiert, da kann er sich doch ganz draufstellen. Für seine Artgenossen macht das keinen Unterschied.

Klassiker: Direktes Linksabbiegen von der Warendorfer Str. auf den Hohenzollernring. Ich stand mittig auf der Linksabbiegerspur. Der Fahrer des PKW hinter spielte mit dem Gaspedal oder fuhr immer leicht an, das war ohne Spiegel nicht festzustellen. Bei grün fuhr ich wie immer hinter den vor mir fahrenden PKW her, der hinter mir saß mir sehr dicht im Nacken. Auf dem Hohenzollernring wechsele ich auf den Radweg, auf der Fahrbahn fährt der Nachfolger an mir vorbei. Ein Fahrzeug meiner Lieblingsfahrschule. Mitglied in der Ordnungspartnerschaft Münster...toller Typ.

Wo wir gerade bei Fahrschulen sind: Nach dem Abholen der Kinder fuhr ich von Gelmer über Alte Schiffahrt auf den Schiffahrter Damm. Circa 10 Meter vor dem Schnittpunkt der Kurve, also wirklich kurz davor steht ein Fahrschulwagen vom A-Team (höhö) ohne Blinker. Die Situation ist unklar. Im Vorbeifahren ist zu erkennen, dass der Fahrlehrer seinem Schüler etwas erklärt. Logisch, sowas macht man auch im Kreuzungsbereich einer recht gefährlichen Kreuzung.

Sonntag, 24. April 2016

Bericht: 200km im Emsland

Am 23.04.2016 habe ich mich per Westfalenbahn um 06:02 Uhr für das 200km Brevet des ARA Lohne auf den Weg nach Lingen (Ems) gemacht. Nach bequemer und ereignisloser Fahrt kam ich eine Stunde später in Lingen an. Am Bahnhof begegnete ich Jonas aus Münster, der mit seinem Reiserennrad auch an dem Brevet teilnehmen wollte. Gemeinsam fuhren wir nach Lohne, wo sich bereits andere Teilnehmer für den Start am Café Remarque fertig machten


Wir meldeten uns an. Die, die sich schon kannten begrüßten sich, nahmen ihre Karten in Empfang. Die Turmuhr läutete scheinbar nicht pünktlich um 8 Uhr, daher praktizierten wir den konzertierten Frühstart. Wie ich es in Münster beim Start des 200km Brevets am 05.03.2016 gesehen hatte, ließ ich die Rennradtruppe vor. Es erschien mir sinnvoll.

Es starteten zwei Velomobile (Milan, Mango) ca. 30 Rennräder und zwei Liegeräder. Nachdem die Rennräder durch waren, glitt ich dann auch los. Das Feld der Rennräder vergrößerte den Abstand sehr schnell. Ich hätte nicht mithalten können, wenn ich nicht noch vorgehabt hätte, die 200km zu schaffen, deswegen habe ich es auch gar nicht versucht. Schlussendlich war ich nach 10h 28m wieder im Ziel.

Die Route habe ich im Internet von den Seiten des RSC Lohne heruntergeladen. Aus dem Liegeradforum stammte die Empfehlung für die Locus App, die auch eine gute Sprachführung der Route bieten sollte. Es gib an meinem Liegerad keine praktikable Lösung, in Reichweite und gefahrenlos mein Smartphone zu montieren. Also hatte ich einen Ohrhörer im Ohr und ließ mich durch die Kommandos führen. Wenn die Straßensituation eindeutig war, hatte das wunderbar funtkioniert. Allerdings machte die App sehr feine und teilweise nicht nachvollziehbare Unterschiede, was rechts halten und rechts abbiegen ist. Für links galt das natürlich auch. Eine sehr große Fehlerquelle waren Kreisverkehre, von denen es zum Glück nicht allzu viele gab.

Da ich keine Möglichkeit hatte, während der Fahrt das Display im Auge zu behalten, war ich auf den scharfen Piepston angewiesen, der mir das Verlassen der Route mitteilte. Je länger ich fuhr, desto geringer wurde natürlich die Konzentration auf die Ansagen und die Straßensituation.

Die ersten 30km durchs Venn zwischen Nordhorn und Coevorden bin ich mit Jonas zusammen gefahren. Nach einer Pinkelpause konnte ich mich wieder an ihn heran hängen, Höhe De Vierslagen konnte ich seine konstant 27km/h aber nicht mehr halten und ließ ihn ziehen.


Ich hatte mich dann darauf beschränkt, immer über 25km/h zu liegen, zu fahren und die Landschaft zu genießen. Diese ist trockengelegtes und abgetorftes Moor, das nun landwirtschaftlich genutzt wird. Es roch permanent nach Gülle oder nach Erdgas, denn hier wird Erdgas gefördert und über Pipelines transportiert. Der permanente leichte Gegenwind forderte seinen Tribut, sodass ich bei Kilometer 70 kurz hinter Elim eine Pause einlegte, um den Futterspeicher wieder auf zu füllen, die Beine zu lockern und mich über den gepflasterten Radweg aufzuregen. Den hatte ich gewählt, weil ich keine Lust mehr hatte, permanent dicht von Autos überholt zu werden, da ich alleine und nicht in der Gruppe fuhr. Immerhin nahm die Bewölkung etwas ab und die Sonne kam heraus.

Gute Laune, die Sonne machts
Landschaftlich wurde es reizvoller, kleine Dörfchen, kleine Gehöfte und Ferienhäuschen säumten den Weg. In Fort hagelte es in einem fort. Daher packte ich die Kamera weg, die ich für den Rest der Tour auch nicht mehr heraus holte. Ich hatte sie an einem Schlüsselband um den Hals hängen. Sie rutschte aber immer von meinem Bauch herunter und landete dann an meinem rechten oder linken Oberarm, was auf die Dauer einfach nur nervte. Genau so wie ein Abschnitt gepflasterter Straße, der einem förmlich die Füllungen rausschüttelte. Bei solchen Streckenstücken frage mich immer, wie man sich im Resonanzkörper eines Velomobils wohl fühlt.

Der ersteKontrollpunkt bei Kilometer 87 war geschlossen und wartete auf einen neuen Pächter. Der Punkt war aber mit einem Richtungswechsel grob nach Süden verbunden, was dazu führte, dass der nervige Gegenwind nicht mehr so an der Kraft sog. Der Wind schob schräg von hinten.

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Kurz nach Dedemsvaart führte der Track über die N36, aber die Straße nicht. Da gab es keine Brücke, der Driehoekweg knickte nach links ab. Der vermeindlich Einheimische, den ich fragte, wie ich am kürzesten auf die andere Seite der N36 komme, wusste auch nicht recht was er machen sollte. Also fuhr ich ein Stück zurück, bog in den Dwarsweg ein und folgte dem Schapendijk über eine Brücke. Bei Kilometer 100 lockte mich eine Parkbank in der Sonne südlich von Junne zu einer recht frühen Pause ein. Die obligatorische Pinkelpause, die Oldtimer, die zu einem Treffen an mir vorbei fuhren und die Nahrungsaufnahme kosteten mich wieder 10 Minuten.

Ich war mir eigentlich sicher, der Letzte zu sein, bis zwei Rennradler vorbei kamen, die die Strecke nach PDF gefahren waren und sich einige Male verfahren hatten. Sie wollten im nächsten Dorf etwas Essen. Ein paar Minuten später fuhr ich auch weiter. Ich habe sie erst im Ziel wiedergesehen, als sie bei meinem Eintreffen aus einem Imbiss kamen.

Zwischen Den Ham und Almelo schob der Wind zwar immernoch ein wenig, aber die Wolken wurden dunkler und mir ging mehr und mehr der rauhe Asphalt der Nebenstraßen auf die Nerven. Bei Kilometerstand 148 sollte dann der nächste Kontrollpunkt kommen, den ich sehnlichst erwartete, um wieder eine Abwechslung und ein Alibi für eine Pause zu haben. Allerdings geht mein Tacho nicht zu 100% genau, durch das wiederholte kleine Verfahren waren natürlich mehr Kilometer auf dem Tacho als es dem Track entspricht. Meine Ungeduld wuchs.

Um 16:00 Uhr habe ich dann den Kontrollpunkt Fraans Marie erreicht. Ich hatte dort eine Fanta Cassis getrunken und erfahren, dass der erste Fahrer wohl schon um 13:15 Uhr gestempelt hatte. Fast drei Stunden schneller als ich, das fand ich ordentlich.

Ich machte mich nach einigen Minuten wieder zurück auf die Strecke am Almelo-Nordhorn-Kanal entlang. Ich wollte nicht weiter auskühlen, ich hatte auch nicht wirklich mehr Lust und wollte zum Ende kommen. Es sollten nur noch ca. 60km sein.

Je mehr Wegweiser zu mir bekannten Orten wie Hengelo, Oldenzaal oder Denekamp kamen desto weniger gelang es mir, mich stur zum Weiterfahren zu zwingen und der Wunsch nach dem Ziel wurde immer größer. Immer schwieriger wurde das ab Engden, denn die Straßen wurden schlechter, der Kühlturm des AKW Lingen kam in Sicht und der Wind fing an zu nerven. Außerdem waren die Beine leer.

Gegen Ende fiel es mir schwer, konstant über 20km/h zu fahren. Jede Steigung wurde verflucht, ich hatte keine Lust mehr. Es ist mir nicht mehr gelungen, gedanklich nur im Augenblick zu sein. Ich dachte immer weiter, dass ich nach dem Ziel noch 8km bis zum Bahnhof in Lingen fahren musste, dort auf den Zug warten musste und dann in Münster noch 10km bis nach Hause fahren musste. Das alles hat meine Stimmung natürlich negativ beeinflusst.

Leider war das Café Remarque schon geschlossen. Ich füllte meine Karte aus und warf sie in den extra bereitgestellten Briefkasten. Ich plauderte noch kurz mit den beiden Fahrern, die ich bei Junne getroffen hatte, dann zwang ich mich zum Aufstehen, um mich auf den Weg zum Bahnhof zu machen. Zwischendurch gab es noch einen leichten Schauer.

Am Bahnhof musste ich knapp eine Stunde warten, in der ich mich konstant bewegte, um nicht zu kalt zu werden. Eine weitere Stunde später bin ich dann in Münster angekommen. Die letzten 10km liefen ziemlich gut und ziemlich schnell, aber ich war sehr froh, den Tag geschafft zu haben.

Den nächsten Tag lang stand das Baron unangetastet im Keller, die Beine waren leer und schlapp und der Hintern tat besonders rechts mächtig weh.

Mittwoch, 20. April 2016

Tourgedanken: Steinfurt

Strecke der Tour: Münster Handorf, Innenstadt, Münster Nienberge, Altenberge, Burgsteinfurt, Steinfurt, Nordwalde, Greven, Münster Gelmer, Münster Handorf. Insgesamt etwas über 80km laut Tacho, Strava sagt mir 79km. Durchschnittsgeschwindigkeit: 23,28km bei konstantem Seitenwind.

Zum ersten Mal bin ich in Nienberge nicht links Richtung abgebogen, um die Baumberge bei Havixbeck und Billerbeck zu erklimmen, sondern geradeaus Richtung Altenberge gefahren. Die Steigungen waren zu schaffen, die Qualität des Radweges ist unteres mittelmäßig. Gutes Rollen war auf der Oberfläche nicht möglich. Sie war rauh, ab viele Stellen geflickt und überall lag Split.

In Altenberge habe ich auch wieder nur minderwertige Radwege vorgefunden und bin recht schnell auf die Fahrbahn gewechselt, ohne dass das für jemanden ein Problem darstellte.

Zwischen Altenberge und Borghorst gabs dann eine knackige Abfahrt, die ich mit 53,5km/h genommen habe. Oberfläche top, danach wurde es schnell wieder schlechter. In Borghorst dann wieder gepflasterte Radwege mit Fasen, die gelben Steine, wie sie auch in Borken und Gronau liegen. Da der Verkehr sehr dicht war und ich nicht ortskundig bin, habe ich die Radwege genutzt. Sonst hat sich am Fahren auf der Fahrbahn niemand gestört. Von einem Motorradpolizisten bin ich mehr neugierig beäugt worden. Zwischen Borghorst und Burgsteinfurt wird dann wieder das beliebte Spiel gespielt "Auf welcher Seite geht der Radweg denn nun weiter?"

In Burgsteinfurt dann Richtung Nordwalde abgebogen, die Abfahrt Hollich mit 52km/h genossen, dann eine wunderbar glatte, kurvige Treckerpiste Richtung Nordwalde. Ohne Irritationen flott auf der Fahrbahn durch Nordwalde durch. Weiter Richtung Greven, wo ich mich auf Höhe des Kreisverkehrs Stockkamp wieder einmal habe in die Irre führen lassen. Die Fortführung des Radweges entpuppte sich als Sackgasse: eine asphaltierte Zuwegung zu einer Bushaltestelle. Wer plant sowas???

Von Greven gings dann über Aldruper Heide und Gimte Richtung Gelmer. Die Kanalbrücke der Gittruper Straße ist wegen Sanierungsarbeiten für KFZ gesperrt, die Fahrspur für Radfahrer ist sehr eng, auf der Brückenmitte kommt es zu einem Seitenwechsel mit 90°-Winkel, der mit dem Baron nur im Schneckentempo zu meistern ist. Senioren auf Pedelecs werden sich auch über die Schikane freuen. Aus der Gegenrichtung näherte ein Silbernacken auf dickem BMW-Motorrad mit Kurs auf den Brückenradweg. Ich blieb einfach am an der Einfahrt zum Radweg stehen, um zu gucken, was er macht. Er tat so, als würde er sich neugierig umschauen, drehte dann aber um und fuhr nach Gelmer zurück. Ich bin über Haskenau und Eggert nach Hause gefahren. Die Beine fühlten sich gut an, auch am nächsten Tag fühlte ich mich hervorragend. Ich fühle mich einigermaßen fit fürs Brevet.

Donnerstag, 14. April 2016

Kurzmeldung

In etwas mehr als einer Woche geht es im Emsland an den Start für die 200km. Ich muss zugeben, dass ich vor meinem zweiten Anlauf zum ersten Brevet schon recht aufgeregt bin. 

Ich werde werde mit dem Auto, Baron huckepack nach Wietmarschen fahren. Von da an geht es dann auf eigener Felge in Richtung Grafschaft Bentheim, Provincie Overijssel (NL) und wieder zurück. Leider habe ich den genauen Track bisher nicht erhalten. Ich muss mal schauen, wie ich den Track zum Nachfahren auf mein Android-Smartphone bekomme. Ich kenne die Ecke grob, aber längst nicht jeden Weg und es wäre mir zu blöd, mich zwanghaft an andere Fahrer mit Navi zu hängen, damit ich auf der Strecke bleibe.

Schwerer wiegt aber leider, die Info, die ich heute Nachmittag bekommen habe:
Mein Schwager ist mit dem Rad in Rostock Innenstadt von einem ausparkenden Kraftfahrer "übersehen" worden und hat "sich" schwere Kopfverletzungen zugezogen. Die Salzwasser-Prawda meldet das so.

Auf Basis meiner bisherigen Information parkte der Unfallgegner widerrechtlich auf dem Gehweg, mein Schwager fuhr vorschriftsmäßig auf der Fahrbahn. Der Unfallgegner schaute nicht in den Spiegel und vergaß den Schulterblick, fädelte sich vom Gehweg auf die Fahrbahn ein, erfasste meinen Schwager, schliff ihn mehrere Meter mit und schleuderte ihn in die Gleisanlage der Straßenbahn. Dabei kann man jetzt schon von Glück sprechen, dass zum Zeitpunkt des Unfalls keine Bahn kam, sonst wäre es sehr viel schlimmer ausgegangen, als es eh schon ist.

In dem Zeitungsartikel reibe ich mich so ein bisschen an Formulierungen wie "Der Radler war [...] mit einem Auto zusammenstoßen und gestürzt." Das liest sich für mich so, als hätte mein Schwager sich aktiv mit dem Autofahrer anlegen wollen. Wohl kaum... 

Der zweite Stolperstein ist ein Klassiker "Zeugen berichtet, dass der 55-jährige Fahrer des Autos beim Ausparken möglicherweise den Zweirad-Fahrer übersehen hat." Hier bietet sich die Frage an, wie man etwas übersehen kann, wenn man gar nicht schaut. 

Ich gehe davon aus, dass der Kraftfahrer sich nicht vergewissert hat, dass der Fahrweg frei ist. Damit hat er nicht nur widerrechtlich auf einem Gehweg geparkt, sondern hat die Vorfahrt meines Schwagers missachtet und das Sichtfahrgebot missachtet.

Ich warte jetzt einmal ab, ob eine Meldung auf Polizeipresse über den Unfall erscheint und den Wortlauf prüfen. Oftmals übernimmt die Presse den Wortlaut der Polizei. In jedem Falle schreibt sich in mir ein Leserbrief an die Zeitung bzw. eine (er-)klärende E-Mail an die Polizeiinspektion Rostock. Die ist sicherlich mit Radfahrern nicht ganz so erfahren wie die Kollegen in Münster.

Zwei Dinge stehen für mich fest:

  1. Ich wünsche meinem Schwager auch auf diesem Kanal alles Gute und gute Besserung.
  2. Ich finde Rostock und die Fahrweise der Rostocker Kraftfahrer immernoch mordsgefährlich und möchte dort nur sehr ungerne Radfahren. Ich befürchte, einige der KFZ-Führer würden sich durch mein tiefes, schnelles Liegerad geradezu provoziert fühlen, wenn ich nicht die teilweise katastrophalen Radverkehrsanlagen nützte.

Mittwoch, 6. April 2016

Brevetplanung neu

Gestern habe ich dann die Bestätigung für die Teilnahme an den 200km im Emsland erhalten. Somit werde ich das 200km Brevet im Emsland fahren. Da ich den Start für die 200km im Münsterland krankheitsbedingt absagen musste, habe ich die Umlage auf die 300km schieben lassen. 

Eigentlich habe ich das genau anders herum geplant, aber die Gesundheit geht eindeutig vor. Bei dem tollen Wetter war ich aber schon sehr neidisch auf die Teilnehmer des Münsterland-Brevets am 26.03. bei 14°C und tollstem Sonnenschein.

Samstag, 19. März 2016

Absage Brevet

Wie das leben so spielt, hat mit in der Vorbereitung ein grippaler Infekt mit hohem Fieber erwischt. Somit kann ich die Teilnahme am 26.03.2016 komplett vergessen, um nicht meinen Herzmuskel zu schwächen.

Mittwoch, 9. März 2016

Trainingsstand: Naja

Auf dem Rückweg habe ich lange drüber nachgedacht, wie ich diesen Post wohl nennen werde, denn zu berichten gab es eigentlich genug, aber ich fange einfach mal an.

Bei 9°C und fast wolkenlosem Himmel habe ich mich aus Trainingsgründen auf den Weg gemacht. Ziel war erstmal Winterswijk, sehr optimistisch, wie ich schnell feststellen musste. Statt wie sonst immer über Havixbeck, Billerbeck und Coesfeld zu fahren, habe ich mich vom Track von Ben Urbanke inspirieren lassen und habe die Baumberge über Münster-Roxel, Tilbeck, Schapdetten, Nottuln angefahren. Statt drei kernigen Anstiegen auf guten Radwegen waren es fünf kernige Anstiege. Zwischen Darup und dem Kloster Gerleve musste ich mit kleinster Entfalung auf einem einen Meter breiten Seitenstreifen bergauf kurbeln mit Tuchfühlung von zahlreichen 40-Tonnern. Das war sehr unangenehm und hat viele Körner gekostet. Im Coesfeld habe ich dann nach ca. 60km für mich eingesehen, dass es klüger ist, mich nicht noch weiter von der Heimat zu entfernen, um nicht zu übertreiben. Ich bog Richtung Lette ab und fuhr über Dülmen, Buldern, Appelhülsen nach Hause zurück. Die Strecke führte entlang der L551 parallel zur A43 überwiegend auf dem Seitenstreifen und kostantem Wind von links vorne und hat mir keinen Spaß gemacht. Ab Welte musste ich anfangen zu beissen und hatte Mühe, die passende Übersetzung und meinen Rhytmus zu halten.

So wird das mit dem 200er Brevet am 26.03. nichts, aber so gar nichts. Am Ziel hatte ich 113km auf dem Tacho, die Beine sind völlig übersäuert, Treppen laufe ich wie ein alter Mann und den Plan, morgen gleich die nächste Tour zu fahren begrabe ich am besten gleich.

Über den Schnitt sprechen wir am besten nicht, zumal mir ein Ermüdungsbruch meines Minoura Space Grip an dem ich meinen Tacho und zwei Scheinwerfer befestigt habe dafür gesorgt hatte, dass ich zum Wohle der Tachohalterung nur auf dem kleinen Blatt fahren konnte. Jetzt muss ich mir erstmal überlegen, wo ich den Tacho jetzt montiere, damit ich ihn während der Fahrt sehen und auch wieder erreichen kann, ohne dass er irgendwie besonders exponiert ist. Am Lenker ist dafür kein Platz. Die untere Lampenhalterung ist völlig ausreichend für das 200er Brevet. Für das angepeilte 300er Brevet muss ich mir dann eine Halterung überlegen. Erstmal werde ich die alte Halterung bei Rose reklamieren und mich morgen über die Tachohalterung hermachen, wenn ich mich denn morgen hinhocken kann...

Endlich komme ich nun zum Titel des Posts. Bislang war ich sehr optimistisch das ich die 200km in jedem Falle schaffen werde, da ich diese Distanz quasi "aus dem Stand" solo mehrmals geschafft hatte. Nach den heutigen 113km und dem Gefühl jetzt bin ich mir da gar nicht mehr so sicher. Durch die knapp 6 Monate Chemo und der wetterbedingten Fahrradabstinenz und die Kur ist meine Muskulatur in keinem guten Zustand und meine Kondition nicht da, wo ich sie vermutet hatte. Bis zum 26.03. gibt es daher noch viel zu tun, damit ich die 200km nicht nur schaffe, sondern auch noch Spaß daran habe.